Architekt beauftragen 2025: HOAI-Honorar, Kosten & worauf Sie achten müssen

Was kostet ein Architekt wirklich? HOAI-Honorartabelle mit Honorarzonen I–V, echte Kostenbeispiele für Neubau, Umbau und Energieberatung, Unterschied Architekt vs. Bauingenieur — und wie Sie den richtigen finden.

05. April 202610 Min. Lesezeit

Warum Sie einen Architekten brauchen — und was er wirklich kostet

Ein Eigenheim bauen, ein Altbau sanieren oder ein Bürogebäude errichten — fast jedes nennenswerte Bauprojekt beginnt mit einer zentralen Frage: Brauche ich einen Architekten, und was kostet mich das? Die Antwort auf den ersten Teil ist in vielen Fällen ja — nicht nur wegen der Baugenehmigungspflicht, sondern weil ein guter Architekt durch sorgfältige Planung nachweislich Baukosten spart und den Projekterfolg sichert.

Laut einer Studie des Bundesverbands freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen entstehen bei Bauprojekten ohne professionelle Planung im Durchschnitt 15–25 % höhere Kosten durch Baumängel, Planungsänderungen und Genehmigungsprobleme. Kosten, die ein Architektenhonorar bei weitem übersteigen.

Dieser umfassende Guide erklärt die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure), zeigt echte Kostenbeispiele, erklärt den Unterschied zwischen Architekt und Bauingenieur — und gibt Ihnen konkrete Tipps zur Architektenwahl.

Die HOAI 2021: Grundlagen des Architektenhonorars

Die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) ist die Gebührenordnung für Architekten- und Ingenieurleistungen in Deutschland. Sie wurde zuletzt 2021 aktualisiert und gilt für alle genehmigungspflichtigen Planungsleistungen im Inland.

Wichtige Grundlage: Seit dem EuGH-Urteil (2019) und der HOAI-Novelle 2021 sind Mindest- und Höchstsätze nicht mehr verbindlich — sie dienen aber weiterhin als Orientierungsrahmen für die Honorarverhandlung.

Was sind anrechenbare Baukosten?

Das Architektenhonorar berechnet sich aus den anrechenbaren Baukosten (vereinfacht: die Herstellungskosten des Gebäudes ohne Grundstück, Außenanlagen und Nebenkosten). Je höher die Baukosten, desto höher das absolute Honorar — aber prozentuell sinkt der Anteil bei steigenden Kosten.

HOAI-Honorartabelle 2025: Honorarzonen I–V

Die HOAI unterscheidet fünf Honorarzonen nach Schwierigkeitsgrad des Projekts:

Honorarzone Beschreibung Typische Projekte
Zone I Sehr geringe Planungsanforderungen Einfache Lagerhallen, Garagen, Nebengebäude
Zone II Geringe Planungsanforderungen Einfache Wohngebäude, schlichte Gewerbebauten
Zone III Mittlere Planungsanforderungen Normales Einfamilienhaus, Bürogebäude, Mehrfamilienhäuser
Zone IV Hohe Planungsanforderungen Anspruchsvolle Wohnhäuser, komplexere Gewerbebau
Zone V Sehr hohe Planungsanforderungen Sonderbauten, Kulturgebäude, Krankenhäuser, Hochhäuser

Honorarspanne nach anrechenbaren Baukosten (Beispiele HZ III)

Anrechenbare Baukosten Honorar-Untergrenze (HZ III) Honorar-Obergrenze (HZ III) Typischer Bereich
100.000 € ca. 10.600 € ca. 14.200 € 10,6 – 14,2 %
200.000 € ca. 18.800 € ca. 25.400 € 9,4 – 12,7 %
300.000 € ca. 26.200 € ca. 35.400 € 8,7 – 11,8 %
400.000 € ca. 33.100 € ca. 44.700 € 8,3 – 11,2 %
500.000 € ca. 39.800 € ca. 53.800 € 8,0 – 10,8 %
800.000 € ca. 57.600 € ca. 77.800 € 7,2 – 9,7 %
1.000.000 € ca. 68.900 € ca. 93.100 € 6,9 – 9,3 %

Hinweis: Diese Werte gelten für alle 9 Leistungsphasen (LPH 1–9) der Objektplanung Gebäude. Bei Beauftragung einzelner Leistungsphasen werden die entsprechenden prozentualen Anteile berechnet.

Die 9 Leistungsphasen nach HOAI und ihre Gewichtung

Das Architektenhonorar ist auf 9 Leistungsphasen aufgeteilt. Nicht jede Phase muss beauftragt werden — viele Bauherren beauftragen nur LPH 1–5 (Planung und Genehmigung) oder einzelne Phasen:

LPH Bezeichnung Anteil am Gesamthonorar Was passiert hier?
1 Grundlagenermittlung 2 % Bedarfsklärung, Standortanalyse, Zieldefinition
2 Vorplanung 7 % Erste Entwurfskonzepte, Kostenschätzung nach DIN 276
3 Entwurfsplanung 15 % Ausgearbeiteter Entwurf, Kostenberechnung, Fachplanerkoordination
4 Genehmigungsplanung 3 % Bauantrag erstellen und einreichen, Baugenehmigung einholen
5 Ausführungsplanung 25 % Detaillierte Ausführungspläne für Handwerker, alle Maße und Details
6 Vorbereitung der Vergabe 10 % Leistungsverzeichnisse erstellen, Ausschreibung vorbereiten
7 Mitwirkung bei der Vergabe 4 % Angebote einholen und prüfen, Preisspiegel erstellen, Vergabeempfehlung
8 Objektüberwachung (Bauleitung) 32 % Baustellenkontrolle, Koordination, Mängelrügen, Abnahme
9 Objektbetreuung 2 % Mängelverfolgung nach Abnahme, 5 Jahre Gewährleistungsbetreuung

Praxistipp: LPH 8 (Bauleitung) ist mit 32 % die teuerste Phase — und die wertvollste. Architekten ohne Bauleitung sparen Honorar, aber erhöhen das Risiko von unkontrollierten Kosten, Mängeln und schlechter Ausführungsqualität erheblich.

Echte Kostenbeispiele für Architektenleistungen 2025

Beispiel 1: Neubau Einfamilienhaus in Stuttgart

Baukosten: 450.000 € | Honorarzone: III | Beauftragung: LPH 1–9

PhaseAnteilKosten (ca.)
LPH 1–4 (Planung + Genehmigung)27 %ca. 10.300 €
LPH 5–7 (Ausführung + Vergabe)39 %ca. 14.900 €
LPH 8–9 (Bauleitung + Betreuung)34 %ca. 13.000 €
Gesamt (Mittelsatz HZ III)100 %ca. 38.200 €

Beispiel 2: Umbau und Sanierung eines Altbaus in München

Baukosten: 280.000 € | Honorarzone: IV (hohe Anforderungen Altbau + Denkmal) | Beauftragung: LPH 1–9

LeistungKosten (ca.)
Architektenhonorar (LPH 1–9, HZ IV)ca. 37.000–46.000 €
Statiker/Tragwerksplanerca. 8.000–15.000 €
Energieberater (BAFA-konform)ca. 2.000–4.000 €
Sonderfachleute (TGA, Brandschutz)ca. 3.000–8.000 €
Gesamte Planungskostenca. 50.000–73.000 €

Beispiel 3: Energieberatung für Bestandsgebäude (ohne Baugenehmigung)

Hier gilt die HOAI nicht — freie Honorarvereinbarung. Marktpreise 2025:

LeistungPreisbereich
Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)800–2.000 € (BAFA fördert 50 %)
Energieausweis (Bedarfsausweis)300–800 €
Energieberatung für KfW-Förderantrag1.000–3.000 €
Vollständige Energieplanung Neubau2.000–6.000 €

Architekt vs. Bauingenieur: Wer macht was?

Diese Frage wird häufig gestellt — und die Antwort ist: Sie arbeiten zusammen, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte.

Kriterium Architekt Bauingenieur/Statiker
Ausbildung Architekturstudium (Uni/FH), Kammereintrag Bauingenieurstudium, ggf. Kammereintrag
Schwerpunkt Gestaltung, Funktion, Genehmigung Tragwerk, Statik, Sicherheit
Bauantrag Ja — bauvorlageberechtigt Nein (außer mit Architektenzulassung)
Standsicherheit Nein (koordiniert Statiker) Ja — Tragwerksberechnung
Wer bezahlt wen? Bauherr bezahlt Architekten Oft vom Architekten beauftragt (koordiniert)
HOAI Ja — LPH 1–9 Gebäude Ja — Tragwerksplanung (eigene HOAI-Tabellen)
Kammer-Pflicht Ja — Architektenkammer (per Bundesland) Für Bauvorlagen: Ingenieurkammer-Eintrag nötig

Wann brauche ich einen Statiker?

Ein Statiker (Tragwerksplaner/Bauingenieur) ist immer erforderlich, wenn:

  • Tragende Wände entfernt oder verändert werden
  • Ein Neubau errichtet wird (Fundamentplanung, Deckenberechnung)
  • Eine Dachaufstockung oder Dachausbau mit strukturellen Änderungen geplant ist
  • Die Baugenehmigung einen Standsicherheitsnachweis verlangt
  • Balkone, Terrassen oder Wintergärten angebaut werden

Wann ist ein Architekt gesetzlich Pflicht?

Das hängt vom Bundesland und Vorhaben ab:

Vorhaben Architekt-Pflicht?
Neubau Einfamilienhaus Ja — bauvorlageberechtigt Planer nötig
Erweiterung/Anbau mit Genehmigungspflicht Ja
Nutzungsänderung (z.B. Büro → Wohnen) In den meisten Bundesländern ja
Innenwand abreißen (nicht tragend) Nein (oft genehmigungsfrei)
Dachausbau ohne Änderung der Dachkonstruktion Je nach Bundesland und Größe
Carport oder kleine Garage In vielen Bundesländern genehmigungsfrei (unter 50 m²)
Energetische Sanierung ohne Umbauten Nein (kein Bauantrag nötig)

Empfehlung: Auch wenn kein Architekt gesetzlich vorgeschrieben ist, lohnt sich professionelle Beratung — gerade beim Altbau und bei größeren Umbauten. Fehler in der Planung sind kostenintensiver als das Architektenhonorar.

Was macht einen guten Architekten aus? Worauf Sie bei der Wahl achten sollten

Die Architektenwahl ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Bauprozess. Folgende Kriterien helfen:

  • Kammermitgliedschaft prüfen: Nur eingetragene Architekten dürfen sich "Architekt" nennen und bauvorlageberechtigt planen. Jedes Bundesland hat eine Architektenkammer mit öffentlichem Register.
  • Referenzprojekte ansehen: Ähnliche Projekte (Neubau, Umbau, Größe, Budget) sind die glaubwürdigste Aussage über Kompetenz.
  • Erstberatung nutzen: Viele Architekten bieten 30–60 Min. kostenlose Erstberatung an. Nutzen Sie das Gespräch für ein ehrliches Kennenlernen.
  • Honorarangebot schriftlich: Seriöse Architekten legen Leistungspaket und Honorar transparent vor Beginn schriftlich vor.
  • Vertrag vor Baubeginn: Architektenvertrag nach HOAI — schützt beide Seiten.
  • Lokale Kenntnisse: Ein Architekt der die lokale Baubehörde, Bebauungspläne und Handwerker kennt, hat erhebliche Vorteile.
  • Kommunikationsstil: Sie arbeiten eng zusammen — die zwischenmenschliche Ebene ist nicht zu unterschätzen.

Warnsignale: Finger weg von diesen Anbietern

  • Kein Nachweis der Kammermitgliedschaft
  • Pauschalhonorare ohne klaren Leistungsumfang
  • Keine schriftlichen Unterlagen vor Vertragsabschluss
  • Druck zur schnellen Unterschrift
  • Versprechen unrealistisch niedrige Baukosten ohne Basis

Häufige Fragen zu Architektenkosten und HOAI

Kann ich das Architektenhonorar verhandeln?

Ja — seit der HOAI-Novelle 2021 sind Mindest- und Höchstsätze nicht mehr verbindlich. Architekten können flexiblere Honorarmodelle anbieten: Pauschalhonorar, Stundensatzabrechnung (80–150 €/h) oder ein reduziertes Leistungspaket (nur einzelne LPH). Wichtig: Das niedrigste Honorar ist nicht immer das beste Angebot — Qualität und Erfahrung haben einen Wert.

Zahle ich den Architekten auch wenn das Projekt nicht genehmigt wird?

Grundsätzlich ja — der Architekt erbringt Planungsleistungen unabhängig vom Genehmigungsergebnis. Ausnahme: Wenn im Vertrag explizit Bedingungen für den Fall einer abgelehnten Baugenehmigung geregelt sind. Ein erfahrener Architekt wird keine Genehmigungsplanung einreichen wenn er ernsthafte Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit hat — eine Voranfrage ist dann sinnvoll.

Was ist der Unterschied zwischen Architekt und Innenarchitekt?

Innenarchitekten gestalten Innenräume — ohne bauvorlageberechtigt zu sein (in den meisten Bundesländern). Sie sind perfekt für Raumgestaltung, Möblierung und hochwertige Innenausbauten. Für den Bauantrag und die Außenarchitektur brauchen Sie einen Architekten. Viele Projekte werden von beiden zusammen betreut.

Wie funktioniert die Architektenhaftung?

Architekten haften für Planungsfehler — und müssen eine Berufshaftpflichtversicherung haben. Die gesetzliche Gewährleistungsfrist für Planungsfehler beträgt 5 Jahre. Bei schwerwiegenden Fehlern kann die Haftung länger dauern. Prüfen Sie: Besteht eine Berufshaftpflicht? Wie hoch ist die Deckungssumme?

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