Gastronomie-Übernahme statt Neueröffnung – warum das oft die bessere Wahl ist
Wer ein Restaurant eröffnen möchte, steht vor einer grundsätzlichen Entscheidung: von Null anfangen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen? Die Übernahme bietet klare Vorteile — vorhandene Küche, laufender Kundenstamm, bestehender Pachtvertrag. Aber sie hat auch Fallstricke, die für Einsteiger schnell teuer werden können.
Dieser Guide gibt dir einen realistischen Überblick über die Kosten einer Gastro-Übernahme in Deutschland und zeigt, worauf du vor der Unterschrift achten musst.
Was kostet ein Restaurant? — Realistische Kaufpreise 2024
Der Kaufpreis variiert enorm je nach Lage, Größe, Konzept und ob ein Wert im Anlagevermögen steckt. Als grobe Orientierung:
- Kleines Café / Bistro (bis 50 Plätze): 20.000–80.000 €
- Mittelgroßes Restaurant (50–120 Plätze): 80.000–250.000 €
- Etabliertes Restaurant mit hohem Stammkundenanteil: 250.000–600.000 €
- Systemgastronomie / Franchise-Betrieb: 150.000–500.000 € + Franchisegebühren
- Hotel mit Gastronomie: ab 500.000 € aufwärts
Insolvenz-Übernahmen oder Betriebe mit Strukturproblemen sind oft deutlich günstiger zu haben — allerdings mit entsprechend höheren Risiken.
Die versteckten Kosten — das zahlt du zusätzlich
Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Rechne mit folgenden Zusatzkosten:
- Renovierung und Modernisierung: 10.000–150.000 € (je nach Zustand)
- Neue Küchengeräte / Austausch defekter Anlagen: 5.000–80.000 €
- Kaution (meist 3 Monatsmieten): je nach Pacht 3.000–30.000 €
- Konzessions- und Genehmigungsgebühren: 500–5.000 €
- Erstausstattung Lager / Waren: 3.000–15.000 €
- Rechtsberatung und Notar: 2.000–8.000 €
- Liquiditätsreserve (mindestens 3 Monate laufende Kosten): 20.000–60.000 €
Realistisch betrachtet: Selbst bei einem günstigen Café-Kauf für 40.000 € kommen oft weitere 30.000–60.000 € an Nebenkosten dazu, bevor der erste Gast bedient wird.
Gastronomie finanzieren: Welche Optionen gibt es?
Hausbankfinanzierung: Klassisch über Volksbank oder Sparkasse. Voraussetzung: Businessplan, Eigenkapital (mindestens 20–30 %) und ein überzeugender Track Record.
KfW-Gründerkredit StartGeld: Bis zu 125.000 € für Gründer und Betriebe bis 5 Jahre, zu günstigen Zinsen. Antrag über die Hausbank.
DEHOGA-Förderberatung: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bietet regionsspezifische Beratung zu Förderprogrammen — kostenlos für Mitglieder.
Bürgschaftsbanken: Wenn die Sicherheiten für einen Bankkredit nicht reichen, können Bürgschaftsbanken der Länder einspringen und das Risiko teilen.
Due Diligence: Was du vor der Übernahme prüfen musst
Viele Übernahmen scheitern, weil Käufer die Vorgeschichte des Betriebs nicht gründlich geprüft haben. Mindestens diese Punkte solltest du prüfen:
- Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre: Umsatz, Kosten, tatsächlicher Gewinn
- Pachtvertrag: Laufzeit, Verlängerungsoptionen, Instandhaltungspflichten, Betriebspflicht
- Personalübergang: Gehen Mitarbeiter auf dich über? (§ 613a BGB)
- Offene Verbindlichkeiten: Schulden beim Vermieter, Lieferanten, Finanzamt?
- Zustand der Technik: Wann wurden Kühlanlage, Lüftung, Küchengeräte zuletzt gewartet?
- Hygienegutachten und Behördenkorrespondenz: Gibt es offene Mängel?
- Marken- und Namensrechte: Gehört der Name zum Verkauf?
Rechtliche Besonderheiten bei der Gastro-Übernahme
Gaststättenerlaubnis: In den meisten Bundesländern ist für den Betrieb eines Restaurants eine behördliche Genehmigung erforderlich. Diese ist personengebunden und geht nicht automatisch auf den Käufer über. Beantrage sie rechtzeitig — Bearbeitungszeiten von 4–8 Wochen sind üblich.
Betriebsübergang nach § 613a BGB: Übernimmst du den Betrieb als Ganzes inklusive Mitarbeiter, trittst du automatisch in alle bestehenden Arbeitsverträge ein — mit allen Konditionen und Seniorität.
Asset Deal vs. Share Deal: Beim Asset Deal kaufst du nur Anlagevermögen und Inventar (sauberer, weniger Risiken). Beim Share Deal kaufst du die GmbH-Anteile — inklusive aller Verbindlichkeiten. Lass beides von einem Anwalt prüfen.
Wo findet man Gastronomie-Betriebe zur Übernahme?
Neben Makler-Portalen und der IHK gibt es spezialisierte Verzeichnisse, die Gastro-Betriebe zur Übernahme listen — sortiert nach Region und Konzept. Auf NischenHub findest du aktuelle Gastro-Angebote bundesweit.
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