Gastro-Übernahme: Was kostet ein Restaurant in Deutschland?

Kompletter Überblick über Kaufpreise, versteckte Kosten, Finanzierungsmöglichkeiten und rechtliche Fallstricke bei der Übernahme eines Restaurants oder Cafés in Deutschland.

22. Oktober 202410 Min. Lesezeit

Gastronomie-Übernahme statt Neueröffnung – warum das oft die bessere Wahl ist

Wer ein Restaurant eröffnen möchte, steht vor einer grundsätzlichen Entscheidung: von Null anfangen oder einen bestehenden Betrieb übernehmen? Die Übernahme bietet klare Vorteile — vorhandene Küche, laufender Kundenstamm, bestehender Pachtvertrag. Aber sie hat auch Fallstricke, die für Einsteiger schnell teuer werden können.

Dieser Guide gibt dir einen realistischen Überblick über die Kosten einer Gastro-Übernahme in Deutschland und zeigt, worauf du vor der Unterschrift achten musst.

Was kostet ein Restaurant? — Realistische Kaufpreise 2024

Der Kaufpreis variiert enorm je nach Lage, Größe, Konzept und ob ein Wert im Anlagevermögen steckt. Als grobe Orientierung:

  • Kleines Café / Bistro (bis 50 Plätze): 20.000–80.000 €
  • Mittelgroßes Restaurant (50–120 Plätze): 80.000–250.000 €
  • Etabliertes Restaurant mit hohem Stammkundenanteil: 250.000–600.000 €
  • Systemgastronomie / Franchise-Betrieb: 150.000–500.000 € + Franchisegebühren
  • Hotel mit Gastronomie: ab 500.000 € aufwärts

Insolvenz-Übernahmen oder Betriebe mit Strukturproblemen sind oft deutlich günstiger zu haben — allerdings mit entsprechend höheren Risiken.

Die versteckten Kosten — das zahlt du zusätzlich

Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Rechne mit folgenden Zusatzkosten:

  • Renovierung und Modernisierung: 10.000–150.000 € (je nach Zustand)
  • Neue Küchengeräte / Austausch defekter Anlagen: 5.000–80.000 €
  • Kaution (meist 3 Monatsmieten): je nach Pacht 3.000–30.000 €
  • Konzessions- und Genehmigungsgebühren: 500–5.000 €
  • Erstausstattung Lager / Waren: 3.000–15.000 €
  • Rechtsberatung und Notar: 2.000–8.000 €
  • Liquiditätsreserve (mindestens 3 Monate laufende Kosten): 20.000–60.000 €

Realistisch betrachtet: Selbst bei einem günstigen Café-Kauf für 40.000 € kommen oft weitere 30.000–60.000 € an Nebenkosten dazu, bevor der erste Gast bedient wird.

Gastronomie finanzieren: Welche Optionen gibt es?

Hausbankfinanzierung: Klassisch über Volksbank oder Sparkasse. Voraussetzung: Businessplan, Eigenkapital (mindestens 20–30 %) und ein überzeugender Track Record.

KfW-Gründerkredit StartGeld: Bis zu 125.000 € für Gründer und Betriebe bis 5 Jahre, zu günstigen Zinsen. Antrag über die Hausbank.

DEHOGA-Förderberatung: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) bietet regionsspezifische Beratung zu Förderprogrammen — kostenlos für Mitglieder.

Bürgschaftsbanken: Wenn die Sicherheiten für einen Bankkredit nicht reichen, können Bürgschaftsbanken der Länder einspringen und das Risiko teilen.

Due Diligence: Was du vor der Übernahme prüfen musst

Viele Übernahmen scheitern, weil Käufer die Vorgeschichte des Betriebs nicht gründlich geprüft haben. Mindestens diese Punkte solltest du prüfen:

  • Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre: Umsatz, Kosten, tatsächlicher Gewinn
  • Pachtvertrag: Laufzeit, Verlängerungsoptionen, Instandhaltungspflichten, Betriebspflicht
  • Personalübergang: Gehen Mitarbeiter auf dich über? (§ 613a BGB)
  • Offene Verbindlichkeiten: Schulden beim Vermieter, Lieferanten, Finanzamt?
  • Zustand der Technik: Wann wurden Kühlanlage, Lüftung, Küchengeräte zuletzt gewartet?
  • Hygienegutachten und Behördenkorrespondenz: Gibt es offene Mängel?
  • Marken- und Namensrechte: Gehört der Name zum Verkauf?

Rechtliche Besonderheiten bei der Gastro-Übernahme

Gaststättenerlaubnis: In den meisten Bundesländern ist für den Betrieb eines Restaurants eine behördliche Genehmigung erforderlich. Diese ist personengebunden und geht nicht automatisch auf den Käufer über. Beantrage sie rechtzeitig — Bearbeitungszeiten von 4–8 Wochen sind üblich.

Betriebsübergang nach § 613a BGB: Übernimmst du den Betrieb als Ganzes inklusive Mitarbeiter, trittst du automatisch in alle bestehenden Arbeitsverträge ein — mit allen Konditionen und Seniorität.

Asset Deal vs. Share Deal: Beim Asset Deal kaufst du nur Anlagevermögen und Inventar (sauberer, weniger Risiken). Beim Share Deal kaufst du die GmbH-Anteile — inklusive aller Verbindlichkeiten. Lass beides von einem Anwalt prüfen.

Wo findet man Gastronomie-Betriebe zur Übernahme?

Neben Makler-Portalen und der IHK gibt es spezialisierte Verzeichnisse, die Gastro-Betriebe zur Übernahme listen — sortiert nach Region und Konzept. Auf NischenHub findest du aktuelle Gastro-Angebote bundesweit.

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