Was kostet eine Scheidung 2025? Übersicht nach Verfahrenswert
Die Kosten einer Scheidung in Deutschland richten sich nach dem Verfahrenswert — und nicht nach Stundensätzen. Der Verfahrenswert berechnet sich aus dem 3-fachen monatlichen Nettoeinkommen beider Ehepartner (mindestens 3.000 €). Hinzu kommen Zuschläge für Versorgungsausgleich, Unterhalt und Zugewinnausgleich.
| Verfahrenswert | Gerichtskosten | Anwaltskosten (1 Anwalt) | Anwaltskosten (2 Anwälte) | Gesamt ca. |
|---|---|---|---|---|
| 5.000 € | 414 € | ca. 990 € | ca. 1.980 € | 1.400 – 2.400 € |
| 10.000 € | 636 € | ca. 1.490 € | ca. 2.980 € | 2.100 – 3.600 € |
| 20.000 € | 1.022 € | ca. 2.170 € | ca. 4.340 € | 3.200 – 5.400 € |
| 50.000 € | 2.146 € | ca. 4.410 € | ca. 8.820 € | 6.600 – 11.000 € |
| 100.000 € | 3.966 € | ca. 7.570 € | ca. 15.140 € | 11.500 – 19.000 € |
Wichtig: Bei einer einvernehmlichen Scheidung braucht NUR EINER der Ehepartner einen Anwalt. Das spart erheblich. Der Anwalt des antragstellenden Partners vertritt in diesem Fall nur seinen Mandanten — der andere Partner unterschreibt lediglich die Zustimmung.
Einvernehmlich vs. streitig: Der große Kostenunterschied
Einvernehmliche Scheidung (der Normalfall)
Wenn beide Partner einer Scheidung zustimmen und sich über alle Folgesachen einig sind (Unterhalt, Sorgerecht, Aufteilung Vermögen), spricht man von einer einvernehmlichen Scheidung. Voraussetzungen:
- Trennungsjahr vollständig abgelaufen
- Beide stimmen zu (keine Klage nötig)
- Folgesachen geregelt (idealerweise schriftliche Scheidungsfolgenvereinbarung)
Vorteil: Nur 1 Anwalt nötig, keine aufwändigen Verhandlungen. Kostenersparnis: typischerweise 30–60 % gegenüber streitiger Scheidung.
Streitige Scheidung (wenn man sich nicht einig ist)
Bei streitiger Scheidung benötigen beide Seiten eigene Anwälte. Zusätzliche Kosten entstehen durch:
- Mehrere Gerichtstermine statt einem
- Schriftsätze, Gutachter (z.B. bei Sorgerechtsstreit)
- Zugewinnausgleich-Berechnung (ggf. Sachverständige)
- Unterhaltsprozesse separat
Streitige Scheidungen können leicht auf das 3–10-fache der einvernehmlichen Kosten kommen und Jahre dauern.
Verfahrenswert berechnen: So funktioniert es
Der Verfahrenswert ist die Berechnungsgrundlage für alle Gebühren. Er setzt sich zusammen aus:
- Scheidungsverfahren: 3 × monatliches Nettoeinkommen beider Partner zusammen (mindestens 3.000 €)
- Versorgungsausgleich: Je Rentenanwartschaft, die ausgeglichen wird: 10 % des Jahresbetrags (mind. 1.000 € je Anrecht)
- Unterhalt (falls strittig): 12 × monatlicher Unterhaltsbetrag
- Zugewinnausgleich (falls strittig): Tatsächliche Ausgleichsforderung
Beispielrechnung: Beide verdienen zusammen 5.000 € netto/Monat → Scheidungs-Verfahrenswert: 15.000 €. Dazu 3 Rentenanwartschaften × 1.000 € = 3.000 €. Gesamt-Verfahrenswert: 18.000 €.
Anwaltskosten Scheidung: RVG-Gebühren verstehen
Anwälte dürfen bei einer Scheidung nicht frei Stundenlöhne abrechnen — sie müssen nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) abrechnen. Die Gebühren richten sich nach dem Verfahrenswert:
| Gebührenart | Faktor | Beschreibung |
|---|---|---|
| Verfahrensgebühr | 1,3 | Für die Durchführung des Verfahrens |
| Terminsgebühr | 1,2 | Für den Gerichtstermin |
| Einigungsgebühr | 1,0 | Bei außergerichtlicher Einigung zu Folgesachen |
| Auslagen | pauschal | 20 € oder 20 % der Gebühren, max. 20 € |
| USt. | 19 % | Auf alle Gebühren und Auslagen |
Prozesskostenhilfe: Scheidung auch ohne Geld
Wer die Scheidungskosten nicht aufbringen kann, kann Prozesskostenhilfe (PKH) beantragen. Das Gericht prüft:
- Einkommens- und Vermögensverhältnisse (Einkommensgrenzen beachten)
- Erfolgschance des Verfahrens (bei Scheidung fast immer positiv)
Bei Bewilligung übernimmt der Staat die Kosten zunächst. Wenn dein Einkommen später über der Grenze liegt, musst du die Kosten ratenmäßig zurückzahlen. Wichtig: PKH-Antrag vor dem Verfahren stellen!
Dauer einer Scheidung: Wie lange dauert es wirklich?
| Scheidungstyp | Dauer ab Antragstellung | Faktoren |
|---|---|---|
| Einvernehmlich, einfach | 3 – 6 Monate | Trennungsjahr abgelaufen, schnelle Gerichtstermine |
| Einvernehmlich mit Versorgungsausgleich | 6 – 12 Monate | Deutsche Rentenversicherung muss Auskünfte geben (dauert) |
| Streitig, Unterhalt offen | 12 – 24 Monate | Verhandlungen, mehrere Termine |
| Streitig, Sorgerecht + Zugewinn | 2 – 5 Jahre | Gutachter, Sachverständige, Beschwerden |
Tipp: Das Trennungsjahr beginnt, wenn einer der Partner dem anderen mitteilt, dass die Ehe gescheitert ist — nicht zwingend erst wenn man getrennte Wohnungen hat. Auch räumliche Trennung innerhalb der Wohnung ("Trennung von Tisch und Bett") kann genügen.
10 Tipps um Scheidungskosten zu senken
- Einvernehmliche Scheidung anstreben: Größter Kostenhebel überhaupt
- Scheidungsfolgenvereinbarung vor Antrag: Unterhalt, Vermögen, Sorgerecht schriftlich regeln — spart Gerichtstermine
- Nur ein Anwalt: Bei einvernehmlicher Scheidung reicht einer
- Online-Scheidung: Viele Anwälte bieten günstigere Online-Verfahren an (keine Fahrtkosten, effiziente Kommunikation)
- Verfahrenswert minimieren: Versorgungsausgleich ggf. ausschließen (nur per Notar möglich)
- Mediator einschalten: Vor dem Anwalt einen Mediator nutzen — günstiger und konfliktärmer
- Rechtsschutzversicherung prüfen: Familienrechts-Modul einige Versicherungen inkl. Scheidungskosten
- PKH beantragen: Wenn Einkommen gering
- Unterhalt nicht strittig machen: Einigung ist günstiger als Gerichtsprozess
- Mehrere Anwälte vergleichen: Erstberatungskosten sind max. 190 € — nutze das
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