Haus kaufen in Deutschland: Kosten, Nebenkosten & 10 Tipps

Was kostet der Hauskauf wirklich? Kaufnebenkosten, Grunderwerbsteuer, Maklergebühren, Finanzierung und die 10 wichtigsten Tipps beim Immobilienkauf in Deutschland.

15. Januar 202511 Min. Lesezeit

Hauskauf in Deutschland: Mehr als nur der Kaufpreis

Ein Haus zu kaufen ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Und dennoch unterschätzen viele Käufer systematisch, was ein Immobilienkauf wirklich kostet. Neben dem eigentlichen Kaufpreis summieren sich Kaufnebenkosten auf 10–15 % des Kaufpreises — bei einem 400.000-€-Haus sind das schnell 40.000–60.000 € extra. Dieser Guide erklärt, was du wirklich zahlen musst und wie du typische Fehler vermeidest.

Die Kaufnebenkosten im Überblick

Jeder Hauskauf in Deutschland ist mit gesetzlich vorgeschriebenen und optionalen Nebenkosten verbunden:

Grunderwerbsteuer (gesetzlich verpflichtend)

Die Grunderwerbsteuer variiert je nach Bundesland:

  • Bayern, Sachsen: 3,5 % des Kaufpreises
  • Hamburg: 4,5 %
  • Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz: 5,0 %
  • Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern: 6,0 %
  • Brandenburg, NRW, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen: 6,5 %

Bei einem Kaufpreis von 350.000 € und 6,5 % Grunderwerbsteuer (z.B. NRW): 22.750 € — allein für diesen Posten.

Notar- und Grundbuchkosten

Der Kaufvertrag muss notariell beurkundet werden. Kosten:

  • Notarkosten: ca. 1,0–1,5 % des Kaufpreises
  • Grundbucheintragung: ca. 0,3–0,5 % des Kaufpreises
  • Zusammen: ca. 1,5–2,0 % des Kaufpreises

Maklerprovision (seit 2020 geteilt)

Seit dem 23.12.2020 gilt: Wenn der Verkäufer den Makler beauftragt, darf er höchstens die Hälfte der Provision auf den Käufer abwälzen. Übliche Gesamtprovision: 5,95–7,14 % (inkl. MwSt.) je nach Region. Für den Käufer also ca. 3,0–3,57 % des Kaufpreises.

Gesamtüberblick Kaufnebenkosten (Beispiel 350.000 €, NRW)

  • Grunderwerbsteuer 6,5 %: 22.750 €
  • Notar + Grundbuch ~1,8 %: 6.300 €
  • Maklerprovision ~3,57 %: 12.495 €
  • Summe Nebenkosten: ~41.545 € (ca. 11,9 %)

Eigenkapital: Wie viel brauchst du wirklich?

Banken empfehlen mindestens 20 % Eigenkapital — idealerweise mehr. Die Faustformel lautet: Kaufpreis + Nebenkosten sollten zu mindestens 20–30 % aus Eigenkapital finanziert werden. Die Nebenkosten sind dabei fast nie fremdfinanzierbar und müssen vollständig aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

Beim 350.000-€-Haus (zzgl. 41.545 € Nebenkosten = 391.545 € Gesamtkosten) braucht man mindestens 70.000–80.000 € Eigenkapital für eine gute Finanzierungsstruktur.

KfW-Förderung beim Hauskauf

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet mehrere Programme:

  • KfW 297/298 (Klimafreundliches Wohngebäude): Günstige Kredite für Neubauten nach Energieeffizienz-Standard; bis 150.000 € je Wohneinheit
  • KfW 124 (Wohngebäude-Kredit): Für den Kauf von Bestandsimmobilien; bis 100.000 € je Wohneinheit
  • KfW 159 (Altersgerecht Umbauen): Für barrierefreien Umbau nach dem Kauf
  • Wohn-Riester (KfW 134): Für Selbstnutzer mit Riester-Förderung

Antrag immer vor Kauf/Baubeginn über die Hausbank stellen — nachträgliche Förderung ist nicht möglich.

Die 10 wichtigsten Tipps beim Hauskauf

  1. Lage vor Ausstattung: Eine schlechte Lage lässt sich nicht renovieren. Ein schlechter Grundriss schon.
  2. Baugutachter einschalten: Vor dem Kauf ein unabhängiges Gebäudegutachten in Auftrag geben (ca. 500–1.500 €) — kann vor teuren Überraschungen schützen.
  3. Grundbuch prüfen: Auf Grundschulden, Wegerechte, Nießbrauch und andere Belastungen achten.
  4. Energieausweis verlangen: Pflicht bei jedem Verkauf. Schlechte Energieklasse = hohe Betriebskosten und Sanierungspflichten.
  5. Kaufpreisaufteilung: Im Kaufvertrag zwischen Grundstücks- und Gebäudewert unterscheiden — steuerlich relevant bei Vermietung.
  6. Eigentümerwechsel und laufende Kosten: Grundsteuer, Versicherungen, Abfallgebühren — alle auf Aktualität und Betrag prüfen.
  7. Sanierungsbedarf realistisch einschätzen: Alte Heizungsanlage, veraltete Elektrik oder ein undichtes Dach können schnell 50.000+ € kosten.
  8. Nachbarschaft erkunden: Zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wochentagen vorbeischauen.
  9. Nicht auf den ersten Druck reagieren: Seriöse Verkäufer geben dir Zeit zur Prüfung. Drängt jemand auf schnelle Unterschrift — Vorsicht.
  10. Anschlussfinanzierung einplanen: Zinsbindung läuft aus? Früh genug Angebote einholen (ca. 5 Jahre vor Ablauf).

Checkliste: Unterlagen für den Hauskauf

  • ☑ Grundbuchauszug (aktuell, nicht älter als 3 Monate)
  • ☑ Energieausweis
  • ☑ Baugenehmigungen und Baupläne
  • ☑ Abrechnungen der letzten 3 Jahre (Betriebskosten)
  • ☑ Protokolle der Eigentümerversammlungen (bei WEG)
  • ☑ Versicherungspolicen
  • ☑ Auskunft über Altlasten beim Bauamt

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